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hasegawa

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Sonntag, 2. Februar 2014, 10:07

Ludmilla´s Scheidungsurkunde... St. Thomas - Beef island.

Gegen 17 Uhr, Cyrill E. King Airport, St. Thomas, U.S. Virgin Islands... (TIST)

Da sitze ich in unserem winzigen Büro und warte auf den Abend. Ich bin Max, einfach nur Max, so kennen mich alle hier. Mit meinem Partner Marty zusammen, der die Kasse verwaltet bieten wir Rundflüge in St. Thomas an. Ist ein nettes Pflaster hier für den Job. Jeden Tag kommen hier hunderte von Tagestouristen mit dem Schiff an und wir fliegen sie dann über die Inseln und erzählen ihnen von Seeräubern, dem Leben auf den Plantagen früher und von dem Flair der Karibik... den Leuten gefällt es. Reich wird man nicht dabei aber es ist ein Job fernab von dem Leben eines Linien-Piloten... das war früher einmal ...

Ich will duschen gehen, habe am Flugzeug noch ein paar kleinere Sachen erledigt und schwitze vor mich hin. Marty steht geschniegelt und gebügelt in der Tür und schaut... da klappern im Schnellschritt ein Paar Pfennigabsätze den Gang entlang.
Ich grinse und sage zu Marty, das ich mal aufräumen gehe und so... und höre im Hintergrund ein helle hysterische Stimme in einem Gemisch aus Russisch und Englisch sagen... "Marty, du musst uns helfen" ... die Dame ist leicht außer Atem.

Aber, dafür bin ich nicht zuständig und gehe raus aus dem Hangar... als Marty herangestürmt kommt und mich fragt, ob ich noch einen Job heute machen kann, Jetzt! Sofort! Wenn man sich an den ruhigen Rhythmus der Karibik gewöhnt hat, ist man auf solche Fragen empfindlich, aber man muss ja seinen Lebensunterhalt verdienen. Ich nicke.
Marty Erzählt: "Das war Natalja... Ich kenne sie... ach nicht so wichtig." Ich ziehe eine Braue hoch... "sie ist Armenierin und arbeitet als Hochzeitsausstatterin. Sie berät ihre Kunden hier und erledigt den Papierkram für Hochzeiten auf den Britisch Virgin Islands."

Diese Geschichte kenne ich. Viele Europäer kommen zu den British Virgin Islands als einem Hafen der Freiheit um zu heiraten, weil ihnen die Behörden in Ländern wie Deutschland das Leben schwer machen. Eine Ukrainerin, Weißrussin oder Russin in ihrem Land zu heiraten ist fast unmöglich. Wenn sich beide durch den Dschungel in diesen Ländern gekämpft und jede Menge Schmiergeld gezahlt haben, um alle Papiere zusammenzubekommen, kommt die eigentliche Schwierigkeit. Die Deutschen haben da so ein Gesetz, in dem jedem binationalen Paar eine Scheinehe unterstellt wird zur Erschleichung der deutschen Staatsbürgerschaft durch die Braut. Ferner geht um und den Zugang zu Sozialleistungen ... und so wird bürokratisch versucht, solche Heiraten zu erschweren. Offiziell wurde das Gesetz gemacht, um junge türkischen Mädchen vor der Zwangsehe zu schützen. Es trifft aber hart auch all die deutschen Männer, die zum Beispiel eine Ukrainerin heiraten wollen, die sie in osteuropäischen "Partnervermittlungen" kennengelernt haben und diese "Agenturmädchen" oder noch gemeiner "Mail-Order-Brides"... die das Pech haben, sich in einen Deutschen zu verlieben und nicht nur ihrem Geschäft nachzugehen...

Das geht so. Nach der Heirat in der Ukraine stellt sich die deutsche Botschaft in Kiew quer und es gibt kein "Visum zur Familienzusammenführung", wie das Ding offiziell heißt. Die Braut bleibt zurück und der Mann reist aus. Zu Hause angekommen, werden exakt zur gleichen Zeit der Mann in die Ausländerbehörde seines Heimatortes und seine Frau in die deutsche Botschaft in Kiew einbestellt. Dort gibt es einen netten Fragebogen mit so interessanten Fragen wie: "Wo befindet sich in der Wohnung ihrer Frau der Staubsauger" oder "Wo werden in der Wohnung ihrer Frau die Hausschuhe aufbewahrt?" Diese Fragen müssen exakt gleich beantwortet werden. Zu viele Abweichungen=Scheinehe=kein Visum und für diesen Test muss natürlich bezahlt werden. Er kann erst frühestens nach einem halben Jahr ein Mal wiederholt werden...

Marty läuft neben mir her und erklärt den Job. "Eine Kundin von Natalja hat bei ihr ihre Scheidungsurkunde aus der Ukraine liegen lassen und braucht sie morgen. Nein Fax geht nicht. Sie braucht das Orignal mit Beglaubigung und Allonge. Sie wartet am Flughafen Beef Island auf Dich." Marty drückt mir einen stabilen Umschlag in die Hand. "Liefere ihn persönlich ab, dann hast Du etwas bei mir gut... wenn nicht... brauchst du nicht wiederkommen. Ist das Klar?"
"Klare Ansage Boss."

Die Sache rührt mich und ich kann nicht kneifen. So komme ich von der Flugaufsicht und gehe zu unserem Flugzeug. Diese Cessna C 177 "Cardinal" haben wir für ein Butterbrot in Florida gekauft und dann hierher "übergeflogen" Sie hat ein modernisiertes Cockpit und nicht mehr die Original-Instrumentierung von Bendix King.

"Erkläre Natalja, sie soll Ihre Kundin in Beef anrufen, ihr sagen, das ich unterwegs bin und dss Kennzeichen unseres Flugzeugs..."



Ich mache mir Sorgen, Werde ich noch starten können? Die Nacht kommt schnell und hier in der Karibik sind VFR-Flüge bei Nacht verboten.



Delta Airlines startet zum Nachtflug nach New York. Die Boeing 757 zieht über mir dahin.



Ich habe die Erlaubnis zur Bahn 10 zu rollen.





Abgekommen... ich bin unterwegs mit meiner besonderen Fracht.





Da unten sitzt Marty und hält mit Natalja Händchen bis ich mich aus Beef melde..."



Wie die berühmten Cowboys in den Hollywood-Schinken reite ich in der Dämmerung dahin...



Ich muss mich konzentrieren im Steigflug und schau nur kurz auf den Umschlag '"zu Händen Mrs. Ludmilla Djudja" steht da... Komisch, nach Ukraine klingt das nicht... egal. Was geht es mich an? Unter mir liegt der Hafen mit den Kreuzfahrt-Schiffen, als sich der Kontroller mit quäkender Stimme meldet und mich an die Jungs in BVI verweist.





Die Dämmerung schreitet schnell voran...





Ich habe keine Zeit, die Aussicht zu genießen.







Es geht schnell. Die Britisch Virgin Islands (BVI) sind erreicht.





Das GPS... auf dieser kurzen Strecke Luxus... aber wer kann heute wissen, was morgen sein wird?





Das da unten links... das weiße Licht... ist der Anfang der Rollbahn des Flughafens "Terrance B. Lettsome Intl’ Airport, Beef Island, British Virgin Island (TUPJ). Da will ich hin. Ich erhalte auch sofort die Landefreigabe für die Bahn 7...

http://www.airnav.com/airport/TUPJ

Im Gedanken bin ich schon da unten... und höre nur beiläufig im Funk, das da ein CRJ der Delta Airlines ebenfalls landen will und dem die Nummer 2 nach mir zugewiesen wird. Aber dann wird der Bursche fürchterlich real. Er fliegt weit unter mir und auf einmal vor mir...





Keine Zeit für lange Überlegungen. Ich breche ab und fliege ein Holding nach rechts, denn links sind die Berge von Tortola...



Im letzten Licht des Tages schleiche ich mich doch noch auf die Bahn 7 von Beef...



Wo ist Ludmilla? Wird sie mich finden?





Jetzt nicht nachlässig werden... Ich habe meinen "Parkplatz" zugewiesen bekommen und quittiere.





Motor ist aus... Flugzeug ist sauber abgestellt. Neben mir steht eine Britten Norman "Islander" von einem Lieferservice. Ob der ein Brautkleid vorbei gebracht hat... oder einen russisch orthodoxen Priester? Wer weiß? Hier auf BVI ist alles möglich.

Seufzend schaue ich auf und nehme den kostbaren Umschlag in die Hand, wäge ihn ab. Gleich werde ich das Schicksal von zwei Menschen beeinflussen... mit einem Lieferschein und einer Unterschrift.

Ich verlasse meine treue Cessna und gehe zum Personal-Ausgang für Piloten. Aus den Augenwinkeln sehe ich eine sehr kleine, zierliche blonde slawische Frau mit einem teuren Handy telefonieren... Tränen in den Augen. Sie ist eher eine "stille Schönheit" , hat etwas Reizendes an sich. Neben ihr sitzt auf einer Bank ein etwas linkischer, breitgebauter junger Mann, ein typischer deutscher Handwerker. Hart, ehrliches Gesicht und sichtlich verlegen.
Ich gehe zu den beiden hinüber und halte den Umschlag hoch. Langsam kommt mir Ludmilla entgegen, "Urkunde? flüstert sie.

"Да... .вÑÑ‘ будет хорошо. Ja, alles wird gut. Sie werden heiraten können. Niemand kann ihnen beiden jetzt noch etwas anhaben.

Der junge Mann kommt auf mich zu und sagt nur "Raimund"... und langt mit seiner gewaltigen Pranke herüber.
"Wir müssen hier heiraten" sagt er schlicht "abgesehen von den deutschen Behörden haben auch meine Eltern etwas gegen Ludmilla, vor allem weil sie schon einmal verheiratet war."

Ich wünsche den beiden alles Glück dieser Erde... verneine aber die Frage, ob ich morgen "dabei" sein kann mit dem Hinweis, das ich morgen leider fliegen muss. Was ich nicht sage ist, das ihre Geschichte auch zum Teil meine eigene ist... und ich mir das emotional nicht antun möchte.
Stattdessen frage ich Raimund nach ihren Plänen und seinem Beruf. "Bootsbauer" meint er und auf die Frage nach Plänen zuckt er mit den Achseln. Da war doch etwas? Ich gebe ihm eine Visitenkarte von einem renomierten Werftbesitzer, den ich neulich zum Angeln nach Anguilla geflogen habe... "Jetzt liegt es an Ihnen junger Mann" sage ich zu ihm "wenn Sie die Braut unglücklich machen, komme ich zurück" und lege scherzhaft eine drohnende Haltung an. Voller Angst schaut Ludmilla nach oben zu uns und mir wird bewusst wie klein sie ist und das sie nichts verstanden hat.
Schnell erklären wir es ihr und sie lächelt unter Tränen...


Anmerkung: Alle Personen, Namen und die Geschichte selbst sind fiktiv, könnten sich aber so oder so ähnlich abgespielt haben.

Zu den verwendeten Addons

- Cessna C 177 "Cardinal" von flight1.com
- Flughäfen St. Thomas und Beef von Tropicalsim
- ORBX FTX FTX Global (Texturen) und FTX Global Vector (Vectordaten, Küstenlinien)
Zwar ist dieses letztere Produkt viel kritisiert worden... ich hoffe aber, hier zu zeigen, das es Potenzial hat...
- Opus als "Wettermaschine" mit Texturen von Rex.
- FSX im DX-10-Modus mit Scenery-Fixer...



Anmerkung: Diesmal sind die Bilder in nur 800 x 640, da in dem VFR-Flieger-Forum, für den diese Geschichte ursprünglich gemacht wurde, diese Größe vorgeschrieben ist.
Andreas R. Schmidt
Potsdam und Riga

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »hasegawa« (2. Februar 2014, 10:09)